Das Nierenzellkarzinom ist mit einem Anteil von 3% aller Krebserkrankungen nach dem Prostatakarzinom und dem Harnblasenkarzinom die dritthäufigste urologische Krebserkrankung und steht an 7. Stelle aller in Deutschland verzeichneten Krebserkrankungen. In Deutschland erkranken jährlich über 12.000 Menschen an einem Nierenzellkarzinom.

Männer erkranken fast doppelt so häufig an einem Nierenkarzinom als Frauen, wobei zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr die meisten Betroffenen erkranken. Bei etwa einem Drittel der Patienten wird bei der Erstdiagnose „Nierentumor“ bereits eine Lymphknoten- oder Fernmetastasierung festgestellt. Bei rund 50 Prozent der operierten Patienten tritt im weiteren Verlauf der Tumorerkrankung eine Metastasierung auf. In 90% ist das Nierenparenchym (funktionelle Nierengewebe) und in 10 % das Urothel (Schleimhaut von Nierenbecken und Harnleiter) betroffen.

Die Ursachen für die Entstehung von Nierenzellkarzinomen sind bislang vielfach erforscht, aber weiterhin nicht bekannt. Als Risikofaktoren für Nierenkrebs gelten verschiedene Umweltfaktoren, wie Schwermetall- oder Asbestexposition, Tee, Löse- und Holzschutzmittel .Nikotin- und übermäßiger Kaffeegenuss haben einen möglichen Einfluss hinsichtlich der Entstehung von Nierenkrebs, vermehrt wird Nierenkrebs bei polycystischen Nierenerkrankungen oder bei chronischre Niereninsuffizienz (Dialysepatienten) beobachtet. Bei einer seltenen familiären Häufung von Nierenkrebs finden sich gehäuft Genveränderungen zwischen den  Chromosomen  3 und 8. (z.B. beim von Hippel-Lindau-Syndrom ) .

Das Nierenzellkarzinom wird bei den meisten Patienten zufällig durch eine Ultraschall-Untersuchung ,bei einer Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) wegen anderer gesundheitlichen Probleme der Patienten entdeckt.

Allgemeine Tumorsymptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Mattigkeit, unklares Fieber, Nachtschweiß, Flankenschmerzen oder Blut im Urin treten bisweilen auf. Im Blut können die Leberwerte erhöht sein (Metastasen), die Blutsenkung beschleunigt sein und im Blutbild eine Anaemie bestehen. Tumormarker, die für Nierenkrebs spezifisch sind, existieren bis heute nicht.

Daher sollte jede Haematurie (Blutbeimengung im Urin), ob mit dem Auge (Makrohaematurie) oder mikroskopisch erkennbar (Mikrohaematurie) vom Urologen abgeklärt werden. Im Rahmen der jährlichen Krebsfrüherkennungsuntersuchung sollte immer eine ergänzende Ultraschalluntersuchung beider Nieren durchgeführt werden.

Die durch Ultraschalluntersuchungen, Computer- oder Kernspintomographie entdeckten Nierenzellkarzinome werden zunehmend im Frühstadium entdeckt, allerdings finden sich in bis zu 30% bereits auch bei der Primärdiagnose Metastasen.

Bei einer Ultraschalluntersuchung der Niere können kleinere Tumore unter Umständen übersehen werden, so dass bei dem geringsten unklaren Befund oder Verdacht auf einen bösartigen Nierentumor eine radiologische Untersuchung mittels Computertomographie (CT)
und Kernspintomographie (MRT) erfolgen sollte.

Bei einem im CT oder MRT erhobenen Befund eines Nierentumors sollte die betroffene Niere operativ freigelegt und bei Malignität (Bösartigkeit) lokal begrenzt oder total operiert werden. Eine präoperative Nadelbiopsie zur Entnahme einer Gewebeprobe darf auf Grund einer möglichen Tumorzellverschleppung nicht durchgeführt werden.

Jeder auf einen Nierentumor verdächtige Ultraschallbefund sollte umgehend durch ein radiologisches Schnittbildverfahren (CT, MRT) abgeklärt werden.

  • Therapie des Nierenzellkarzinoms

    Operative Therapie des Nierenzellkarzinoms

    Die Therapie des Nierenzellkarzinoms ist primär eine chrirugische operative Therapie, bei der entweder die gesamte betroffene Niere entfernt (radikale Tumornephrektomie), der vom Tumor betroffene Nierenanteil (Nierenteilsesekion) oder nur der Nierentumor (Tumorenucleation) entfernt wird .

    Je mehr funktionelles Nierengewebe entfernt wird, desto schlechter ist statistisch die Überlebensprognose, so dass meistens nur noch der Nierentumor an sich entfernt wird. Nur bei sehr großen oder aggressiven Tumoren wird die gesamte Niere operativ entfernt.

    Kleinere Tumorenukleationen können minimal-invasiv endoskopisch-laparoskopisch mittels Bauchspiegelungstechnik erfolgen. Der Vorteil des laparaskopischen Vorgehens ist die deutlich geringere allgemeine Belastung des Patienten durch die Operation. Auch die postoperativen Schmerzen sind geringer, und der Kostaufbau wie auch die Mobilisierung können früher begonnen werden. Somit können die Erholungsphase nach der Operation und der stationäre Aufenthalt insgesamt verkürzt werden.
    Bei der Teilentfernung der Niere ( Nierentumore < 4cm) ist jedoch noch immer das offene Operieren als Standard anzusehen, da mit diesem Verfahren die Niere besser geschont wird und auch in schwierigen Situationen bei z.B. ungünstiger Lage des Tumors immer noch ein Erhalt der Niere ermöglicht werden kann.

    In wissenschaftlichen Studien konnte belegt werden, dass die organerhaltende Operation von Nierentumoren mit Tumorenukleation oder Nierenteilresektion der radikalen Organentfernung hinsichtlich der Langzeitüberlebensrate der Patienten gleichwertig ist.
    Nur bei  ca. 10% der Patienten , die sehr große und weit fortgeschrittene Nierenkarzinome mit Einbruch in das Gefäßsystem und Ausbildung eines Tumorzapfens innerhalb der Vena cava inferior (große untere Körperhohlvene) und von dort ausgehend bis in den rechten Herzvorhof oder die rechte Herzkammer haben, kommt eine radikale Tumorentferung mit Entfernung der Niere, Nebenniere, des Tumorzapfens sowie der umgebenden Lymphknoten mittels Herz-Lungen-Maschine und Kreislaufstillstand in Frage. Dieser komplizierte und risikoreiche Eingriff kann in aller Regel nur in hochspezialisierten Universitätskliniken durchgeführt werden, wo auch an Hand der Tumorausdehnung, des Allgemeinzustandes des Patienten und eventuell vorhandener Fernmetastasen entschieden wird, ob die Operation indiziert ist.

    Medikamentöse Therapie des Nierenzellkarzinoms

    Nach primärer operativer Therapie mit chirurgischer Metastasenentfernung hat sich bei fortgeschrittenen Nierenkarzinomen eine systemische Therapie mit Medikamenten etabliert, wodurch sich das Überleben der Patienten erheblich verbessern lässt.

    Auf Grund der rasanten Entwicklung neuerer Medikamente in den letzten Jahren wurde die früher durchgeführte Behandlung der Metastasen mit Stimulation des Immunsystems, die mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden war, verlassen.

    Heute werden Medikamente eingesetzt, die Tumore gezielt angreifen und deren Blutgefäße zerstören, sowie deren Neubildung (Angiogenese) verhindern. Durch die Angiogenese-Inhibitoren wird das Überleben der Patienten deutlich verlängert, auch wenn noch Metastasen nachweisbar sind. Die medikamentöse Therapie wird chronisch – also lebenslang – bei den Betroffenen durchgeführt.

    Die Prognose der Erkrankung hängt in erster Linie von der Tumorgröße und dem Wachstumsmuster ab. Grundvoraussetzung für ein langes Überleben ist dabei vor allem die Qualität der chirurgischen Entfernung und die konsequente Tumor-Nachsorge und das Einsetzen modernster Pharmakotherapie.

    Die Urologische Klinik der LMU ist die einzige Klinik in Deutschland, die zur Behandlung von Patienten mit Nierenzellkarzinom ein interdisziplinäres Zentrum gegründet hat und das von unserer Praxis daher empfohlen wird:

    Interdisziplinäres Zentrum für Nierentumore (IZN)

    Leitung:

    Prof. Dr. med. Michael Staehler

    Urologische Klinik und Poliklinik

    Marchioninistraße 15

    81337 München

    (089)4400-73530

    Email: michael.staehler@med.uni-muenchen.de

    Weitere LINKS zum Thema Nierenkrebs:

    www.leben-mit-nierenkrebs.de