• Die Prostatabiopsie schafft Sicherheit bei der Früherkennung (Vorsorge) von Prostatakrebs

    Eine Prostatabiopsie wird bei jedem Prostatakrebs-Verdacht zur Sicherung der Diagnose „Prostatakrebs“ empfohlen, wenn ein kontrollierter Serum- PSA-Wert > 4 ng/ml ( bei jüngeren Männern < 50 Jahre zwischen 2 – 4 ng/ml) , ein auffälliger Anstieg des Serum-PSA-Spiegels von > 0.5 ng/ml Jahr  oder ein auffälliger Palpationsbefund (Tastbefund) der Prostata vorliegt.

    Um die „Mehrdimensionalität“ (Serum-PSA-,-fPSA-Wert, Patientenalter, Prostatagröße, Tastbefund der Prostata) besser zu berücksichtigen und die  Genauigkeit für die Indikation zur Prostatastanzbiopsie zu verbessern, führen wir seit 2004 in unserer Praxis das ProstataClass-Programm der Charite Berlin durch :

    Mit Hilfe des Programms „ProstataClass“ können Sie ermitteln, ob anhand festgelegter Kriterien ein Karzinomrisiko besteht.
    Zur Auswertung im ProstataClass-Programm sind die Werte des gesamten PSA und des freien PSA (verschiedene Laborverfahren), das Patientenalter, das transrektal-sonographisch ermittelte Prostatavolumen sowie der digital rektale Tastbefund zu bestimmen.
    Danach können die Eingaben in der angegebenen Website erfolgen.

    Nach Anklicken des OK-Feldes wird für das jeweilig ermittelte Risiko ein konkreter Vorschlag, ob eine Prostatastanzbiopsie indiziert ist, gemacht.
    Dieser Vorschlag sollte als Richtschnur verstanden werden. Im Einzelfall sollte vor einer endgültigen Entscheidung zur Biopsie nochmals die Messung des PSA und fPSA im Abstand von einigen Wochen erfolgen.

    An den unteren 3 Auswahlfeldern können die Grenzwerte der Spezifität (90% oder 95%) – d.h. für das Vermeiden falsch positiver Resultate – für den niedrigen PSA-Bereich 2-4 ng/ml oder die erwünschte Sensitivität (90% oder 95%)- d.h. für das Vermeiden falsch-negativer Resultate – für die PSA-Bereiche 4-10 und 10-20 ng/ml ausgewählt werden.

    Der sog. ANN-Schwellenwert (im Ausdruckbild unter der angegebenen Spezifität oder Sensitivität) ist ein programminterner Wert, der dem Nutzer eine genauere Ergebnisbeurteilung des ANN-Ausgangs gibt. Mit dem Zahlenwert ANN-Ausgang kann man dann überprüfen, wie weit dieser vom Zahlenwert von der gewünschten Spezifität oder Sensitivität (Schwelle) entfernt ist, um dieses ggf. für eine Wiederholung der Gesamt-PSA und fPSA-Bestimmung (bei grenzwertigem Ergebnis) zu berücksichtigen.

    Mit Hilfe dieses neuronalen Netzwerkes können im niedrigen Serum-PSA-Bereich von 2-4 ng/ml vor allem junge Männer mit einem erhöhten Risiko für ein Prostatakarzinom identifiziert werden. Bei einer ähnlich hohen Karzinominzidenz im PSA-Bereich 2-4 ng/ml wie im Bereich 4-10 ng/ml können somit zusätzlich Prostatakarzinompatienten entdeckt werden, die nach den üblichen Kriterien
    (z.B. Stanzbiopsien nur bei PSA-Werten > 4 ng/ml) gar keine Biopsie erhalten hätten.

    Darüber hinaus kann aber auch bei vielen – vor allem älteren -Patienten im PSA-Bereich zwischen 4-10 ng/ml auf eine Biopsie verzichtet werden, wenn das neuronale Netzwerk kein Risiko anzeigt. Mit Hilfe dieses ANN soll also das individuelle Risiko eines Patienten, an einem Prostatakarzinom erkrankt zu sein, sicherer eingeschätzt werden können. Somit können „unnötige“ Biopsien möglicherweise reduziert werden, aber auch zusätzliche Biopsien helfen, frühzeitiger ein Prostatakarzinom aufzudecken.

    Gleichzeitig wird die Indikation zu einer Prostatabiopsie, die der behandelnde Urologe stellt und deren Auswirkungen für den Patienten, die der Urologe zusammen mit seinem Patienten bespricht , für den informierten Patienten objektivierbarer und einfacher nachvollziehbar sein.

    Aktuelle S3-Leitlinien-Empfehlung zur Prostata-Stanzbiopsie

    1. Vor der Entscheidung zur Biopsie soll der Patient in ausreichendem zeitlichem Abstand zur Biopsie über den Eingriff, über potenziellen Nutzen, Risiken und Konsequenzen einer Prostatabiopsie ärztlicherseits aufgeklärt werden.
    2. Bei der Stanzbiopsie sollen in der Regel 10-12 Gewebszylinder entnommen werden. Die Stanzbiopsie soll unter transrektal-sonographischer Kontrolle erfolgen.
    3. Die Stanzbiopsie soll unter Antibiotikaschutz erfolgen.
    4. Die lokale infiltrative Anaesthesie vermindert das Schmerzempfinden während der Stanzbiopsie der Prostata.
    5. Bei folgenden Befundkonstellationen soll eine erneute Biopsie innerhalb von 6 Monaten empfohlen werden: ausgedehnte High-Grade-PIN (Nachweis in > 4 Gewebsproben), Atypical Small Acinar Proliferation (ASAP), suspekter PSA-Wert bzw. PSA-Verlauf.
    6. Vor jeder weiteren Biopsie soll zwischen Arzt und Patient eine erneute Abstimmung über deren potenziellen Nutzen, Risiken und Konsequenzen vorgenommen werden.
  • Das Standardverfahren

    Das Biopsie-Standardverfahren in unserer Praxis ist die transrektale Prostatastanzbiopsie unter Ultraschall-Kontrolle (TRUS-gesteuerte Biopsie) mit zusätzlichen randomisierten Biopsien.

    Transrektal (über den Enddarm) wird eine Ultraschallsonde in den Darm eingeführt und bis auf Höhe der Prostata vorgeschoben.
    Über einen Kanal in der Ultraschallsonde wird die Biopsienadel in den Zielbereich vorgeschoben und über einen Pistolen-artigen Schußapparat Gewebe aus der Prostata ausgestanzt. Die Untersuchung ist kaum spürbar und so schnell, dass der Patient oft nur den „Schuss“ hört. Die Gewebeentnahme von 10-12 Gewebszylindern dauert maximal 10 min, wonach der Patient in aller Regel die Praxis fahrtüchtig verlassen kann. Die Probenentnahme erfolgt einerseits Ultraschallbild-gesteuert, kann auch andererseits blind aus vorher verdächtigen Arealen (Tastbefund, MRT-Befund) erfolgen.

    Die Biopsie erfolgt in aller Regel ambulant in Lokalanaesthesie  in unserer Praxis und nur in 1-2/100 Fällen unter tagesstationären Bedingungen in Kurznarkose.

    Als Risiken bei der Prostatabiopsie können kurzzeitige Blutungen und Blutergüsse, aber auch Infektionen durch Darmbakterien auftreten.

    Unsere Komplikationsrate bei Prostata-Biopsien konnte auf < 2 % in den letzten Jahren herabgesenkt werden.

    Um dem Infektionsrisiko vorzubeugen, bekommen unsere Patienten das Antibiotikum Levofloxacin 500 1×1 Tbl. täglich über 5 Tage ab dem Vorabend vor der Untersuchung. Nach der Biopsie bitten wir unsere Patienten, noch ca. 30 min bei uns zu bleiben, um sicher zu gehen, dass beim ersten Wasserlassen oder danach keine deutlichen Blutungen auftreten. In seltenen Fällen (Risikopatienten)  nehmen wir vorab einen Abstrich aus dem Enddarm, um mögliche Antibiotika-resistente Keime zu entdecken.

    Die Aspirationscytologie zur Gewinnung von losem Zellmaterial wird auf  Grund der geringeren Aussagequalität nicht durchgeführt. Die transperineale Biopsie über den Damm wird auf Grund der hohen Invasivität und Notwendigkeit einer Narkose auch nicht in unserer Praxis durchgeführt.

    In unserer Praxis können für schwierige Re-Biopsien und bei active surveillance (aktiver Überwachung) auch eine Ultraschall-Elastographie und 3-dimensionale Darstellung der Prostata durchgeführt werden.  Hiermit kann die exakte Ultraschall-Diagnostik noch verfeinert werden.

  • Perfektionierte Bildqualität durch MRT-Fusionsbiopsie der Prostata

    Die MRT-Fusionsbiopsie der Prostata ist für spezielle Verdachtsfälle auf einen Prostatakrebs geeignet, bei denen z.B. nach einer negativen (unauffälligen) Erstbiopsie der Prostata bei klinisch verdächtigen Befunden (z.B. weiterer Anstieg des Serum-PSA-Spiegels bei ungünstigen PSA/fPSA-Serum-Spiegel-Quotienten) eine Re-Biopsie (Sekundärbiopsie) der Prostata notwendig ist.

    Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) können bestimmte anatomische und funktionelle Aspekte von definierten Arealen innerhalb der Prostata sichtbar gemacht werden.. Bei der Fusionsbildgebung wird dann das MRT-Bild mit dem bewegten Bild des 3D-TRUS-Ultraschalls während der Biopsie vereinigt.

    Das MRT-Bild und das Live-Ultraschallbild liegen so übereinander, dass der untersuchende Urologe dann das verdächtige Areal bei der Probeentnahme jetzt exakter mit der Biopsienadel ansteuern kann.

    In unseren Kooperationskliniken wird diese Methode bereits mit großem Erfolg durchgeführt. Bitte informieren Sie sich hierzu unter:

    https://www.martini-klinik.de/diagnostik/biopsie/mrt-3d-trus-fusionsbiopsie-mit-bildspeicherung/

    http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Urologische-Klinik-und-Poliklinik/de/Fusionsbiopsie/index.html

    Unsere Praxis wird in Kürze auch diese erfolgreich erprobte Biopsietechnik unseren Patienten anbieten.