• Epidemiologie und Inzidenz sexuell übertragbarer Erkrankungen

    Sexuell übertragbare Erkrankungen nehmen weltweit zu und verursachten in 2012 in den USA ca. 20 Mio. Neu-Infektionen. Untersuchungen in den USA an jungen Mädchen im Alter von 14- 19 Jahren zeigten, dass bereits jeder 4.Teenager einen der 5 häufigsten STD-Erreger trug und bei sexuell-aktiven Mädchen die Ansteckungsrate auf ca. 40% anstieg.

    Oft werden bei einer akuten STD-Erkrankung 2 – 3 unterschiedliche Keime  übertragen. Je sexuell aktiver die Patienten sind, also je mehr sexuelle Partner die Betroffenen hatten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit mehreren Erregern.

    Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass bisexuelle Menschen für STD-Erkrankungen am gefährdesten sind.  Der in den letzten Jahren weltweite deutliche Anstieg der HIV-, Syhilis- und Gonorrhoe-Infektionen ist einerseits auf Homosexuelle mit einem hochriskanten Sexual-Verhalten (ungeschützter Geschlechtsverkehr mit >100 Partnern pro Jahr !!!) als auch auf Prostituierte , vor allem im osteuropäischen und asiatischen Raum,zurückzuführen (Sextourismus).  Auch Männer ohne Potenzstörungen, die Potenz-steigernde Medikamente zur Verbesserung der sexuellen Performance einnahmen, zeigten ein erhöhtes Risiko für eine STD-Erkrankung.

  • Klinische Symptome bei STD-Erkrankungen

    Die häufigsten Symptome beim Mann sind ein Brennen und Stechen in der Harnröhre, nicht selten begleitet von einem Harnröhrenausfluss. Die unterschiedliche Farbe des Ausflusses ist oft der erste Hinweis auf den möglichen Erreger : rahmig-eitrig (Gonokokken), weisslich-glasig (Chlamydien) , grünlich (Trichomonaden). Rötliche entzündliche Flecken an der Eichel und Vorhaut (sog. Balanitis, Balanoposthitis) treten häufig zusätzlich auf. Bei Mykoplasmen- und Ureaplasmen-Infektionen ist ein Harnröhrenausfluss eher selten und im Vordergund stehen ein Brennen und Stechen in der Harnröhre. Sind die Prostata oder die Hoden/Nebenhoden mitbetroffen, kommt es zu Schmerzen im Bereich des Unterbauchs, der Dammregion, im Analbereich oder im Skrotum (Hodensack).  Vor allem bei Chlamydien-Infektionen kann eine akute, sehr schmerzhafte Epididymitis (Nebenhodenentzündung ) auftreten.

    Bei Frauen laufen STD-Erkrankungen oftmals asymptomatisch (silent infections) und uncharakteristisch ab, so dass sie oftmals unentdeckt bleiben und zur Infertilität (Unfruchtbarkeit) führen können. Typische Symptome einer akuten STD-Entzündung bei der Frau sind stechende und brennende Schmerzen im Bereich des Scheidenvorhofes und der Harnröhre sowie auch ein akuter, nicht selten übel riechender Ausfluss aus der Scheide. Bei unklaren Missempfindungen im Urogenitalbereich oder einem chronischen Schmerzsyndrom im kleinen Becken (Pelvic pain Syndrom) ist auch an eine STD-Erkrankung zu denken.

    Seltenere Komplikationen bei STD-Infektionen ( vor allem bei Chlamydien- und Gonorrhoe-Infektionen) sind Beteiligungen der Gelenke und beim Mann das Auftreten einer Harnröhrenenge.

    Die Ansteckung erfolgt  in erster Linie durch  sexuelle Kontakte ( Geschlechts-, Anal- oder auch Oralverkehr) Sexuelle Kontakte  sind aber nicht der alleinige Übertragungsmodus. Vor allem in Whirlpools und warmen Bäderlandschaften (Sauna) sind Übertragungen von Chlamydien, Ureaplasmen, Mykoplasmen  und HPV-Viren nicht selten. Unhygienische Toiletten (Entwicklungsländer, Rotlichtmilieu ) sind weitere Infektionsorte.  So muss  bei einem Auftreten einer STD-Erkrankung in einer festen Partnerschaft nicht zwangsläufig der betroffene Partner fremdgegangen sein.

  • Prävention von sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD)

    Als beste Prävention gilt die Benutzung von Kondomen, auch wenn sie nie einen 100%-igen Schutz vor einer Ansteckung mit einer STD-Erkrankung gibt. Auch kann eine routinemäßige Beschneidung von sexuell aktiven Männern die Weiterverbreitung von STD-Erkrankungen (auch AIDS) deutlich reduzieren.

    Diese überzeugenden Zahlen veranlassten die Amerikanische Akademie der Kinderärzte (American Academy of Pediatrics – APP) zu dem Statement, dass die Beschneidung Neugeborener erhebliche medizinische Vorteile bezüglich späterer STD-Infektionen aufweist.

    Wissenschaftliche Studien in den USA an über 5000 Männern im Alter von 15- 49 Jahren zeigten, dass bei den 2 Jahre früher beschnittenen Männern weniger häufig Infektionen mit Herpes simplex- und HPV-Viren auftraten.

    So führt die WHO in den HIV/AIDS-Hochrisikoländern großflächig Beschneidungsprogramme  durch, wodurch in den betroffenen Regionen die HIV-Incidenz (Auftreten von HIV-Infektionen) um die Hälfte reduziert werden konnte.

    In jedem Falle sollte bei einem Verdacht auf eine STD-Erkrankung immer ein gleichzeitiger Nachweis der 5 häufigsten STD-Erreger erfolgen.

Genitale Pilzinfektionen

Genitale  Pilzinfektionen werden durch eine typische Symptomatik (juckende Hautrötungen am Genitale, weißlicher Ausfluß und/oder Beläge am Genitale) schnell erkannt. Der Nachweis des Erregers Candida albicans kann im Urin, im Sperma oder durch einen Abstrich erfolgen.

Besonders betroffen sind Diabetiker und Patienten mit einem geschwächten Immunsystem, wobei beim Mann sowohl die Vorhaut als auch die Eichel (Balanoposthitis) durch eine juckende und brennende Entzündung betroffen sind. Bei Frauen ist oft die Scheide nach wiederholten Behandlungen von Harnwegsinfektionen mit Antibiotika betroffen, da die Darmflora (das Gleichgewicht zwischen dem Pilz Candida albicans und den Darmbakterien) sich verändert.

Zur Therapie der Candidainfektion kommen in erster Linie lokale Antimykotika zur Anwendung (z.B.  Salben mit Clotrimazol, Fluconazol, Miconazol, Nystatin ). Nur bei schwereren Entzündungen mit Candida-Nachweis im Urin ist eine medikamentöse Therapie z.B. mit Amphotericin Tabletten erforderlich.

Gonorrhoe (Tripper)

Die Gonorrhoe ( Tripper ) ist eine relativ häufig vorkommende Geschlechtserkrankung mit ca. 2000 jährlichen Neuerkrankungen in Deutschland, die durch das gram-negative Kokken-Bakterium Neisseria gonorrhoeae hervorgerufen wird. Die Ansteckung erfolgt durch sexuelle Übertragung und führt nach einer kurzen Inkubationszeit von 2-3 Tagen beim Mann an der vorderen Harnröhre zu einer eitrigen Entzündung mit eitrig-gelben Ausfluß (Bonjour Tropfen) und Brennen beim Wasserlassen und in der Harnröhre. Im Gegensatz zum Mann ist der Krankheitsverlauf bei der Frau oft asymptomatisch, nur in schwereren Fällen greift die Entzündung von der Scheide auf die Gebärmutter und Eileiter über und kann zur Sterilität (Unfruchtbarkeit) führen. Oftmals sind die Leistenlymphknoten schmerzhaft angeschwollen. Auch sind Übertragungen in den Anus (Enddarm), in den Mund-Rachenraum und in die Augen bei direktem Kontakt mit dem Bakterium N.gonorrhoeae möglich. Bei einem ungeschützten Geschlechtsverkehr besteht eine 50-%ige Wahrscheinlichkeit sich anzustecken, wenn der Sexualpartner an Gonorrhoe erkrankt ist. In selteneren Fällen gelangt der Erreger über die Blutbahn (Bakteriämie) in andere Organe und führt bei einer Beteiligung der Gelenke zu entzündlichen Schwellungen (z.B. am Knie-und Sprunggelenk) und zu Entzündungen der Herzklappen (Endokarditis) oder zu einer Hirnhautentzüdung (Meningitis). Als Spätkomplikationen können beim Mann Harnröhrenstrikturen ( Verengungen der Harnröhre) und auch eine chronische Prostatitis auftreten. Bei Frauen werden als Spätkomplikationen oft chronische Schmerzen im kleinen Becken (sog. chronic pelvic pain syndrome) und eine sekundäre Sterilität durch Eileiterverklebungen beobachtet.

Die Therapie der Gonorrhoe (Tripper) besteht in einer Test-gerechten  Antibiotika- Therapie : bei einer unkomplizierten Gonorrhoe mit einer Einmalgabe eines Cephalosporins, eines Makrolid-Antibiotikums oder von Tetracyclinen.

Aufgrund der zunehmenden Resistenzbildungen bei Gonokokken gegen bestimmte Antibiotika ( z.B. Cephalosporine, Chinolone) ist eine Antibiotika-Testung aus dem entnommenen Abstrich immer sinnvoll.

Herpes genitalis

Die Herpes genitalis-Infektion wird durch Herpesviren (HSV) ausgelöst, die sexuell übertragen werden. Normalerweise ist der Herpestyp HSV 1 für Infektionen in der Mund-Lippenregion (Herpes labialis) und der Herpestyp HSV 2 für Infektionen in der Genitalregion verantwortlich. Inzwischen ist auch der Typ HSV 1 für ca. 50% der Infektionen am Genitale verantwortlich. Die Viren gelangen durch Mikroverletzungen in die jeweiligen Hautzellschichten, vermehren sich dort und wandern von dort in die sensiblen Haut- und Schleimhautnervenäste und von dort in das Rückenmark und Gehirn. Dort ruhen die Viren lebenslang und können je nach Immunitätslage reaktiviert werden. Der betroffene Mensch ist also lebenslang infiziert.

In über 2/3 der Fälle verlaufen die Herpes genitalis Infektionen unbemerkt oder zeigen nur minimale Symptome. Es bilden sich kleine stecknadelgroße rote Punkte, später auch schmerzhafte Bläschen am Genitale, die dann verkrusten und abheilen.Typische Vorboten sind ein Kribbeln sowie stechende, sich flächenartig ausbreitetende Schmerzempfindungen und auch Taubheitsgefühle in der Region, wo sich später die typischen Herpesbläschen ausbilden. Die Hauterscheinungen heilen unbehandelt meist innerhalb von 5-10 Tagen ab. Die Inkubationszeit beträgt nach dem Sexualverkehr 4-7 Tage. Im Blut des mit HSV infizierten Menschen können dann Antikörper gegen HSV 1 u./o. 2 nachgewiesen werden.

Eine Reaktivierung der HSV-Viren am Genitale kann auch ohne klinische Symptome einhergehen, so dass  auch symptomlose Menschen ihre Intimpartner anstecken können.

Die Inkubationszeit beträgt etwa 4-7 Tage nach dem Genitalkontakt. Jede HSV 1/2 Infektion hinterlässt eine seropositive Antwort, d.h. dass im Blut des mit HSV infizierten Menschen dann Antikörper gegen HSV 1 u./o. 2 nachgewiesen werden können. Häufig zeigen Betroffene HSV Antikörper gegen HSV 1 u. 2, d.h., dass sie Infektionen mit beiden Viren durchgemacht haben. Ca. 20-30 % mit einer genitalen HSV 2 Erstinfektion weisen bereits HSV 1 Antikörper auf.

Studien haben gezeigt, dass es bei 25 % aller Infizierten ca. 4 Jahre nach der Primärinfektion sogar zu einer Zunahme der Herpesrückfälle kommen kann.

  • Diagnostik der genitalen HSV-Infektion

    Die Herpes genitalis-Infektion wird in erster Linie zunächst klinisch anhand der Symptome und der Hauterscheinungen diagnostiziert. Jeder Verdacht auf eine Herpes genitalis-Infektion sollte anschließend durch eine serologische Untersuchung bestätigt werden. Wesentlich einfacher ist der serologische Nachweis von HSV Antikörpern (Immunglobuline IgG, IgM) bei den Betroffenen. Hierbei können HSV 1- und 2-Infektionen voneinander differenziert werden, wobei der IgG-Nachweis eine 97-100%ige Sensitivität und 94-98%ige Spezifität aufweist.

    Der Nachweis der Herpesviren durch einen Abstrich vom Bläschengrund und 5-tägigem Bebrüten in der Zellkultur und weiteren Laboruntersuchungen (PCR) sind aufwändig, kostspielig sowie weisen die Herpesviren bei Erstinfektion nur in 80% der Fälle und bei Rückfallinfektionen nur in bis zu 50% der Fälle nach.

  • Therapie der genitalen HSV-Infektion

    Eine gezielte antivirale Therapie mit Aciclovir, Famciclovir, Valaciclovir führt zu einer schnellen Abheilung der Hautläsionen und einer schnellen Besserung der klinischen Symptomatik (Schmerzen, Mißempfinden) . Hierbei ist die orale Therapie (Tabletten) der lokalen Therapie (Cremes) überlegen und sollte je nach Krankheitsverlauf mindestens für 7-10 Tage durchgeführt werden. Bei erheblichen Schmerzen ist eine zusätzliche Gabe von Analgetika (z.B. Paracetamol, Novaminsulfon) notwendig. Bei Herpesrezidiven sollte die antivirale Therapie noch vor Auftreten der
    Hauterscheinungen begonnen werden und dann für ca. 5 Tage durchgeführt werden.
    Bei sichtbaren Hauterscheinungen sollte auf jegliche sexuelle Aktivitäten verzichtet werden und anschließend ein Kondomen verwendet werden, um eine Ansteckung des nicht infizierten Partners deutlich zu reduzieren.

Trichomonadeninfektion (Trichomoniasis)

Bei einer Trichomonadeninfektion erfolgt die Ansteckung mit dem Parasiten Trichomonas vaginalis durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, wobei die Inkubationszeit bis zum Auftreten klinischer Symptome zwischen 2 Tagen und 4 Wochen liegen kann. Oftmals verläuft die Infektion – vor allem bei Frauen – asymptomatisch („silent infection“) ohne ein Stechen, Brennen oder Jucken im Urogenitalbereich (Harnröhre,Scheide). Der Ausfluß ist oftmals an der grünlichen Farbe erkennbar. Zur Diagnose wird ein Harnröhren- und/oder Scheidenabstrich durchgeführt.
Zur medikamentösen Therapie der Trichomoniasis werden Metronidazol (Einmalgabe 2g oder 2x500mg über 7 Tage ) oder Ornidazol eingesetzt. Die lokale Therapie mit Metronidazol-haltigen Ovula oder Povidon-Jod-haltigen Salben/Creme ergänzen die medikamentöse Therapie.

HIV – AIDS – Infektion

Der Human Immunodeficiency Virus (HIV-Virus) ist ein Retrovirus, der zu einer AIDS-Erkrankung mit Ausbildung von Symptomen führen kann. In 99.7% der HIV-Infektionen liegt eine HIV1-Infektion vor. Die höchste HIV Verbreitung findet sich derzeit in den unterentwickelten Ländern und Regionen Afrikas, wo teilweise  Durchseuchungsraten von über 50 % beobachtet werden und in vielen afrikanischen Ländern AIDS die häufigste Todesursache in der Altersgruppe zwischen 20-50 Jahre ist.
Nach WHO-Schätzungen geht man bislang von ca. 35 Mio. Tote durch AIDS und von ca. 36.7 Mio HIV-Infizierten weltweit aus.

Durch entsprechende Präventionsmaßnahmen (Safer Sex-Kampagnen, Beschneidungsaktionen in Afrika etc.) sinkt die Zahl der Neuinfektionen wieder seit Ende der 90er Jahre, was auch auf die Zahl der an AIDS verstorbenen Menschen zutrifft. Letzteres, also die Senkung der AIDS-Todesrate, ist insbesondere der Neuentwicklung von sehr potenten Medikamenten und Therapieregimes zu verdanken.

WHO-Statistik (2016) bezüglich  HIV/AIDS:

  • 7 Mio sind weltweit mit HIV infiziert
  • 2 Mio HIV Infizierte werden momentan antiretroviral therapiert
  • HIV-Infektionsquellen

    Die häufigste Infektionsquelle für eine HIV-Infektion ist in Deutschland der ungeschützte Analverkehr unter Homosexuellen, gefolgt durch die Ansteckung über den ungeschützten heterosexuellen Sexualkontakt mit HIV-Infizierten (z.B. mit bisexuell Veranlagten oder Drogenabhängigen) .

  • Diagnostik der HIV/AIDS Infektion

    Die Diagnostik einer HIV-Infektion erfolgt durch einen ELISA (Enzyme Linked Immunosorbent Assay)-Suchtest im Blut, wobei nicht das Virus sondern die nach der Ansteckung innerhalb von 12 Wochen gebildeten HIV-Antikörper gemessen werden.

    Das Robert Koch Institut geht von folgenden Zeiträumen nach der Primärinfektion aus, bis genügend HIV-Antikörper nachzuweisen sind):

    • 4 Wochen nach Infektion ist der HIV Test in 60 bis 65 % positiv
    • 6 Wochen nach Infektion ist der HIV Test in ca. 80 % positiv
    • 8 Wochen nach Infektion ist der HIV Test in ca. 90 % positiv
    • 12 Wochen nach Infektion ist der HIV Test in ca. 95-99 % positiv

    Da in 2 auf 1000 Fällen ein falsch-positives Resultat im ELISA-Test vorliegen kann, muß bei einem positiven Resultat ein Western-BLOT-Bestätigungstest durchgeführt werden. Der direkte Nachweis des HIV-Virus erfolgt durch einen RT-PCR-Test, der sehr aufwendig ist und die Viruslast im Blut misst und im Therapieverlauf bzw. zur Therapieüberwachung eingesetzt wird.

    Die absolute Nachweisgrenze von HIV liegt bei ca. 50 Viren/µl Blut.

  • Krankheitsverlauf der HIV-Infektion

    Die HIV-Infektion verläuft zunächst oft über längere Zeit asymptomatisch, bei ca. 50% der HIV-Infizierten kommt es 2-6 Wochen nach  Infektion zu akuten grippeähnlicher Krankheitssymptome ( Fieber, Nachtschweiß, Kopfschmerzen, Glieder- und Gelenkschmerzen sowie allgemeines Krankheitsgefühl) und zu Schwellungen von Lymphknoten. Zeitweilig treten auch Durchfälle, Hautausschläge und Ulcera in der Mundhöhle auf  Nach dieser Primärphase folgt eine ca. 10-jährige Latenzphase ohne jegliche Krankheitssymptome.

    AIDS (Symptomatische HIV-Infektion) unterscheidet man in Nicht-AIDS definierte Erkrankungen, die auch bei anderen Erkrankungen infolge von Immunschwäche  auftreten, und  in AIDS-definierte Erkrankungen, die sehr typisch für AIDS sind.  
    Die Anzahl der CD4 positiven T-Helferzellen ist dann deutlich herabgesetzt (< 200 nachweisbaren CD4-Zellen/µl Blut).

    Bei einer Viruslast >100.000 oder einer CD4 T-Helferzellzahl < 200/µl Blut wird eine medikamentöse hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) durchgeführt. Hierbei kommen Inhibitoren des Viruseintritts in die T-Helferzellen, Fusions-Inhibitoren (FI), Integrase-Inhibitoren zum Einsatz, die ein hohes  Nebenwirkungspotenzial  ( Leber, Pankreas, Nervensystem, Knochenmark. Allergische Reaktionen) zeigen.

  • Postexpositionsprophylaxe von HIV

    Besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung mit dem HIV-Virus (z.B. Nadelverletzung des OP-Personals bei einem HIV-positiven Patienten, ungeschützter GV mit einer HIV-positiven Person ) sollte eine Postexpositionsprophylaxe mit einer Kombination aus 2 Nukleosidanaloga und einem HIV-Proteaseinhibitor innerhalb von 24h über 4 Wochen durchgeführt werden. Jeder Zeitverlust reduziert die Erfolgschance, 3 Tage nach Ansteckung ist eine Prophylaxe sinnlos.

Humane Papilloma Viren (HPV)

Humane Papilloma Viren sind weltweit verbreitet. Mittlerweile hat man mehr als 100 verschiedene HPV-Typen (Familien) identifiziert. Mehr als 40-HPV Typen können dabei die Genitalregion des Menschen infizieren. Viele der im Genitalbereich nachweisbaren HPV-Viren können sich auch auf Grund von ungeschütztem Oralverkehr in Mundhöhle und Rachenraum ansiedeln. Die meisten HPV-Infektionen verlaufen klinisch symptomlos und werden von den Betroffenen gar nicht bemerkt.

  • Krebs (Karzinom) assoziierte Humane Papilloma Viren (HPV) Infektionen

    Praxis-relevant ist die Frage der Übertragungsrate von HPV-Viren bei einer neuen Partnerschaft, wenn ein Partner(in) HPV-positiv und der andere Partner(in) HPV-negativ ist. Studien zeigten für diese sog. diskordanten Paare eine Übertragungsrate von 3 – 4 pro 100 Personenmonate, die für alle HPV-Typen etwa gleich hoch ist.

  • Epidemiologie und Infektionsrisiko von Humanen Papillpma Viren (HPV)

    Die Welt ist mit HPV-Viren mehr oder weniger durchseucht. Lange Zeit ging man davon aus, dass HPV-Infektionen erst mit dem ersten Geschlechtsverkehr erworben werden können, was aber mittlerweile in Studien widerlegt ist.

    Polymerase Chain Reaction (PCR) Untersuchungen der Vorhautpräparate auf Befall der Hochrisiko Humane Papilloma Viren 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58 und 59 bei 50 Jugendlichen ( Durchschnittsalter 5 1/2 Jahre (5 Monate – 15 Jahre), die noch nie sexuell aktiv waren und beschnitten wurden, haben gezeigt, dass bei 12 % der Jugendlichen Hochrisiko-HPV-Infektionen nachweisbar waren (Quelle: de Martino M e tal: High-risk Human Papilloma Virus Infection of the Foreskin in Asymptomatic Boys, Urology 2013).

    Eine für die US-Bevölkerung repräsentative epidemiologische Studie aus den USA(National Health and Nutrition Examination Survey) , in der von 2003-2004 838 weibliche Heranwachsende im Alter 14-19 auf die 5 häufigsten STD-Erreger hin untersucht wurden, zeigte, dass bei insgesamt 24,1%, also einem Viertel dieser jungen Mädchen mindestens einer der 5 STD-Erreger nachgewiesen werden konnte. Bei den zum Zeitpunkt der Untersuchung sexuell aktiven Mädchen betrug die Ansteckungsrate 37,7 % (!!). HPV Infektionen mit einem der 23 Hochrisikotypen und/oder HPV 6 bzw. 11 wurden bei 18,3 % nachgewiesen (Forhan SL et al, Pediatrics 2009). Erschreckend in dieser Studie war auch die Tatsache, dass innerhalb eines Jahres nach dem ersten Sex 19,2 % der jungen Mädchen eine STD, meist HPV, erworben hatten, obwohl sie überhaupt nur einen Sexpartner hatten.

  • Urogenitale HPV Infektionen und genitale Warzen (Condylomata accuminata) beim Mann

    Die Häufigkeit von genitalen Warzen (Condylomata accuminata) und deren HPV Zuordnung wurde in der so genannten HPV Men Study analysiert (Quelle: Anic GM et al. Incidence and Human Papillomavirus (HPV) Type Distribution of Genital Warts in a Multinational Cohort of Men. The HPV in Men Study. Infect Dis 2011:2. 487) Männer im Alter 18-70 Jahre nahmen an dieser Studie teil. Die Inzidenz genitaler Warzen lag bei 2,35 pro 1000 Personenjahre, wobei in der Altersgruppe 18-30 Jahre die höchste Inzidenzrate mit 3,43 pro 1000 Personenjahre vorlag. Die häufigsten vorgefundenen HPV-Infektionen waren die mit HPV 6 (43,8%), HPV 11 (10,7 %) und HPV 16 (9,8 %).

    HPV-Viren sind auch häufig nachzuweisen bei Männern mit einer Urethritis (Harnröhrenentzündung): Bei 142 Männern, die sich wegen einer akuten Urethritis in Japan in Behandlung begaben, war bei insgesamt 68 Fällen (48 %) eine gleichzeitige HPV-Infektion nachweisbar, wobei bei 32 % (n= 46) High Risk HPV-Infektionen gefunden wurden (Quelle: Shigehara K et al: Prevalence of human papillomavirus infection in the urinary tract of men with urethritis.Int J Urology 2010). In 31 % konnte HPV am Penis, in 20 % in der Harnröhre und in 24 % im Urin nachgewiesen werden.

  • Orale Humane Papilloma Viren (HPV) Infektionen

    Die Prävalenz oraler HPV-Infektionen in den USA 2009-2010 bei Frauen und Männern in der Altersgruppe 14-69 Jahre lag bei 6,9 % und für das Hochrisiko HPV 16 bei 1,0 %. Das größte Risiko für eine orale HPV Infektion lag dabei mit 7,4 % in der Altersgruppe 30-34 Jahren und mit 11,4 % in der Altersgruppe 60-64 Jahre. Männer hatten mit 10,1 % ein signifikantes höheres orales HPV-Risiko als Frauen mit 3,6 %. Das Infektionsrisiko stieg signifikant mit der Anzahl der Sexualpartner und in dieser Studie auch mit dem Nikotinkonsum (Quelle: Gillison ML et al Prevalence of Oral HPV Infection in the United States 2009-2010, JAMA. 2012 15;307(7):693-703)

    Die detaillierte Analyse dieser Daten aus den USA zeigte auch folgende Zahlen: Bei Frauen im Alter von 14-59 Jahren lag die Prävalenz für eine HPV-Infektion der Vagina bzw. des Gebärmutterhalses bei 42 % und für Männer die Prävalenz einer HPV-Infektion von Penis und Hodensack bei 14-51 %. Die Häufigkeit einer analen HPV-Infektion lag zwischen 42% und 57 % für homosexuelle Männer, während sie für heterosexuelle Männer 25 % und für Frauen 27 % betrug. 

    Die Prävalenz von HPV in den Tonsillen (Mandeln) von Kindern und Erwachsenen anlässlich einer Mandeloperation bei insgesamt 80 tumorfreien Tonsillen ergab folgende Ergebnisse (Quelle: Descamps DA et al: High Prevalence of High Risk Human Papillomavirus in Palatine Tonsils from Healthy Children and Adults. Otolaryngol Head Neck Surg 2011): 10 (12,5%) der 80 Tonsillen zeigten eine HPV-Infektion, davon waren 8 Fälle mit dem Hochrisiko-HPV 16 und 1 Fall mit dem Hochrisiko-HPV 18 befallen, ein weiterer mit dem onkogenen HPV 31. 

    Die Prävalenzraten einer oralen HPV-Infektion wurde bei 131 gesunden finnischen Vätern über einen Zeitraum von 7 Jahren analysiert (Quelle: Rautava KK et al: Oral Mucosa as a Reservoir of Human Papikkomavirus: Point Prevalence,Genotype Distribution, and Incident Infections Among Males in a 7-year Prospective Study. Eur Urol 2012, 62, 1063-1070): Die Prävalenzraten zwischen den jeweiligen Analysezeitpunkten schwankten zwischen 15,1 % und 31,1 %, wobei insgesamt 17 unterschiedliche HPV-Typen nachgewiesen werden konnten: HPV 16 in 33,3 % aller HPV-positiven Fälle, HPV 33 in 12,5 % und HPV 82 in ebenfalls 12,5 %.

    Die Schlussfolgerung der Autoren war, dass die orale Mucosa ein bedeutendes Reservoir für HPV ist, was auch auf die Weitergabe, also die Infektion mit HPV auf andere Menschen zutrifft.

  • Humane Papilloma Viren (HPV)

    HPV-Infektionen des Spermas ,das z.B. für reproduktionsmedizinische Maßnahmen (z.B.für eine in vitro Fertilisation (IVF) oder ICSI) verwendet wird, wurden in der Literatur immer wieder beschrieben. Hierbei konnte gezeigt werden, dass selbst sogenannte Sperm Washing Methoden nicht in der Lage sind, die HPV-Viren zuverlässig zu entfernen:

    Bei 32 HPV positiven Samenproben infertiler Männer konnten nach Durchführung des Sperm Washing lediglich bei 4 der 30 Ejakulate keine HPV-Infektion mehr nachgewiesen werden. (Quelle: Foresta C et al:Semen washing procedures do not eliminate human papilloma virus sperm infection in infertile patients. Fertility and Sterility 2011)

    Dass die Infektion des Mannes mit HPV einen erheblichen Einfluss auf die Erfolgsraten von ICSI und in-vitro-Fertilisation (IVF) haben kann, zeigte eine in Italien bei 199 infertilen Paaren durchgeführte Studie (Quelle: Perino A et al: Human papillomavirus infection in couples undergoing in vitro fertilization procedures: impact on reproductive outcomes. Fertility and Sterility 2010.): Die Autoren fanden dabei eine statistisch hoch signifikante Korrelation ziwschen HPV-Infektion des Mannes und der Abortrate. Während bei HPV-negativen Patienten die Abortrate nur bei 15 % lag betrug diese 66,7 % für HPV-positive Männer. Diese Zahlen sind wichtig,da die Testung des Samen-spendenden Mannes bzw. dessen Spermas auf HPV-Befall nicht routinemäßig in den Reproduktionszentern durchgeführt wird.

    Die Untersuchungen von Kryosperma, also das in einer Samenbank eingefrorene Sperma, das dann bei Männern mit onkologischen Erkrankungen (z.B.Hodenkrebs) später zu Befruchtungszwecken wieder aufgetaut und in die Gebärmutter injiziert wird, zeigte, dass 6,1 % der Kryospermaproben (n=98) mit HPV befallen waren, im Vergleich von 3,3 % einer gesunden Kontrollgruppe (Quelle: Foresta C et al: Human papillomavirus in the sperm cryobank: an emerging problem? Int J Andrology 2010).

  • Clearanceraten von Humanen Papillonviren (HPV)

    Der interessanten und klinisch sehr relevanten Fragestellung, wie lange HPV-Viren am Genitale vorzufinden sind, wenn sie erst einmal nachgewiesen worden sind, also der so genannten Clerancerate, ging eine in Brasilien, Mexiko und den USA durchgeführte Studie nach (Quelle: Giuliano A et al: Incidence and clearance of genital human papillomavirus infection in men (HIM): a cohort study. The Lancet 2011,377,932-949):

    Bei 1.159 Männern, 18-70 Jahre alt, lag die Inzidenz einer genitalen HPV-Infektion bei 38,4 per 1000 Personenmonate. Im Median wurden diese Männer 27,5 Monate nachverfolgt und alle 6 Monaten Abstriche auf HPV entnommen: Die mediane Dauer einer HPV Infektion lag bei 7,5 Monaten für alle HPV und bei 12-19 Monaten für das Hochrisiko HPV 16. HPV-Inzidenz und Clearance-Raten korrelierten eng mit der Anzahl vorheriger Sexpartner, wobei die Clearance-Raten in Brasilien und Mexiko gegenüber denen in den USA schlechter waren.

  • Humane Papilloma Viren (HPV) Infektionen und Krebsrisiko bei Männern, die mit Männern Sex haben (MSM)

    Ein besonderes Problem stellt die Gruppe homosexueller und bisexueller Männer dar, also Männer, die mit Männern und auch mit Frauen ungeschützten Sex haben (sog. MSM-Gruppe). Eine Metaanalyse hierzu mit insgesamt 53 Studien kam zu den folgenden Ergebnissen (Quelle: Nachalek DA et al: Anal human papillomavirus infection and associated neoplastic lesions in men who have sex with men: a systematic review and meta-analysis. Lancet Oncology 2012). In der Gruppe der HIV-positiven Homosexuellen lag die Infektionsrate mit dem Hochrisiko-HPV 16 bei 35,4 % verglichen mit nur 12,5 % bei HIV-negativen Männern. Die Inzidenz einer anal high grade intaepithelial neoplasia (AIN), also der direkten Vorstufe des Analkrebses lag bei 29,1 %, d.h., dass knapp ein Drittel davon betroffen war. Die gepoolte Inzidenz für das Analkarzinom war 45,9 pro 100.000 Männer. In der Gruppe der HIV-negativen Männer lag die Inzidenz für eine AIN bei 21,5 % und für Analkrebs nur bei 5,1 pro 100.000 Männer. Diese Zahlen zeigen deutlich die hohen Infektionsraten mit HPV 16 und das damit verbundene Risiko für Analkrebs in der „Gay Population“, was insbesondere auf Homosexuelle mit einer gleichzeitigen HIV-Infektion zutrifft.

  • Übertragung bei HPV diskordanten Partnerschaften

    Eine Fragestellung von hoher Praxisrelevanz ist die HPV-Übertragungsrate bei neuen Partnerschaften, wenn die Partnerin HPV positiv für bestimmte HPV-Typen und der Partner negativ ist und umgekehrt (sog. HPV-diskordante Paare ). Dieser Fragestellung ging eine Studie nach, die die HPV- Übertragungsrate bei 73 neuen Partnerschaften analysierte, die für mindestens 1 HPV-Typ diskordant waren. (Quelle: Burchell AN et al: Genital Transmission of Human Papillomavirus in Recently Formed Heterosexual Couples. Ann Fam Med 2012, 10, 50-53)
    Die Übertragungsrate betrug 3,5 pro 100 Personenmonate für die Mann auf Frau Übertragung und umgekehrt 4,0 pro 100 Personenmonate für die Frau auf Mann Übertragung. Die Übertragungswahrscheinlichkeit war für alle HPV-Typen ähnlich hoch, auch bezogen auf die HPV Hochrisikotypen 16 und 18.

  • Prävention (Vorbeugung) von Infektionen mit Humanen Papilloma Viren (HPV)

    Die Benutzung von Kondomen ist die beste Prävention, um sich vor sexuell übertragbaren Erkrankungen zu schützen, sie gibt aber nie einen 100%igen Schutz. So zeigten in einer Studie aus 2 großen Städten in den USA bei 463 Männern im Alter zwischen 18 und 40 Jahren mit regelmäßiger Kondombenutzung nur in 37,9% einen Befall mit HPV-Viren verglichen mit 53,9% der Männer, die Sex ohne Kondom praktizierten (Nielson, CM et al, Consistent condom use is associated with lower prevalence of human papillomavirus infection in men.J Infect Dis 2010) Eine weitere Vorbeugung, wenngleich auch nicht kompletter Schutz bezüglich einer HPV-Infektion stellt die Zirkumzision (Beschneidung) dar, die das Erkrankungsrisiko für alle sexuell übertragbaren Krankheiten deutlich reduziert. In einer Studie in Uganda konnte gezeigt werden, dass bei Infektionen mit dem Hochrisiko HPV 16 und 18 eine Beschneidung zu einer deutlichen Reduktion der Infektionen führte, verglichen mit der Kontrollgruppe, die nicht beschnitten wurde.(Quelle: Tobian AAR: Male circumcision and anatomic sites of penile high-risk human papillomavirus in Rakai, Uganda, Int J Cancer 2011)

  • Humanen Papilloma Viren (HPV) Vakzination (HPV-Impfung)

    Seit Ende 2006 bzw. 2007 steht eine Vakzination (Impfung) gegen die Hoch-Risiko HPV zur Verfügung. Einerseits handelt es sich um eine Immunisierung gegen die beiden Hoch-Risiko HPV 16 und 18 (Impfstoff Cervarix) andererseits gegen HPV 16 und 18 sowie die Niedrig-Risiko HPV 6 und 11 (quadrivalenter Impfstoff Gardasil). Beide Impfstoffe sind für beide Geschlechter also Jungen und Mädchen ab einem Alter von 9 Jahren zugelassen und sollten vor dem ersten Geschlechtsverkehr appliziert werden. In Deutschland bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen die HPV-Impfung derzeit nur für Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren. Die vollständige Impfung umfasst drei Impftermine, die vor dem ersten sexuellen Intimkontakt abgeschlossen sein sollten.

    Im Oktober 2011 empfahl das Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) in den USA die Anwendung des quadrivalenten HPV-Impfstoffes Gardasil auf für Jungen bzw. junge Männer wie folgt (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention-CCD: Recommendations on the Use of Quadrivalent Human Papillomavirus Vaccine in Males – Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP), MMWR Morb Miortal Wkly Rep 2011, 60, 1705. 1708): Der Impfstoff sollte bei Jungen im Alter von 11-12 Jahren sowie in der Altersgruppe 13-21 Jahre angewandt werden, wenn noch keine volsständige Vakzination mit 3 Impfungen vorher stattgefunden hatte. Männer im Alter 22-26 Jahren kommen ggfs. auch für eine Impfung in Frage.

    In einer Übersichtsarbeit aus den USA wurde darauf hingewiesen,dass die HPV-Impfung sicher und wirkungsvoll sei, dass sie aber momentan noch viel zu wenig angewandt wird. (Quelle: Jin XW et al: Human papillomavirus vaccine: Safe, effective, underused. Cleve Clin J Med 2013, 80, 49-60)

    In den USA stieg von 2007 bis 2012 der Anteil der 13-17 Jahre alten Mädchen, die mindestens eine Vakzination ( für den vollständigen Impfschutz werden 3 empfohlen ) erhalten hatten, von 25,1 % auf 53 % und blieb danach gleich (53,8%) (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Human papillomavirus vaccination coverage among adolescent girls, 2007-2012, and postlicensure vaccine safety monitoring, 2006-2013 – United States. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2013 Jul 26;62(29):591-5.) Wie effektiv die HPV-Vakzination ist, zeigt eine weitere Studie aus den USA (Quelle: Markowitz LE et al: Reduction in Human Papillomavirus (HPV) Prevalence Among Young Women Following HPV Vaccine Introduction in the United States, National Health and Nutrition Examination Survey, 2003-2010,Infect Dis 2013): Die Studien verglichen den Zeitraum 2003-2006 vor Einführung der HPV-Vakzine mit dem Zeitraum 2007-2010 nach Einführung der HPV-Vakzine. Unter den jungen Frauen im Alter von 14-19 Jahre kam es zu einer signifikanten Reduktion der HPV 6,11,16 und 18 Prävalenz von 11,5 % auf 5,1 %. In den höheren Altersgruppen war hingegen keine Reduktion der HPV – Prävalenz festzustellen.

    Ähnliche positive Ergebnisse gibt es aus Australien (Quelle: Donovan AH et al: Genital warts in young Australiens five years into national human papillomavirus vaccination programme: national surveillance data. BMJ 2013, 18, 346): Bei einer Studie von insgesamt 85.770 Australiern im Zeitraum von 2004-2011, die das erste Mal untersucht wurden,wurden bei 9% HPV-induzierte Condylomata accuminata gefunden. Sowohl in den Altersgruppen < 21 Jahre als auch 21 – 30 Jahre konnte eine Abnahme der Condylomata acuminata-Infektionen von 11,5 % in 2007 auf 0,85 % in 2001 bzw. von 11,3% in 2007 auf 3,1 % in 2011 festgestellt werden. Bei heterosexuellen Männern > 30 Jahre konnte allerdings keine signifikante Abnahme der HPV-induzierten Genitalwarzen (condylomata acuminata) festgestellt werden.

    Hauptproblem der HPV-Imfung ist die Compliance der jungen Mädchen, d.h., dass viele der Geimpften die Vakzination nach der ersten oder zweiten Impfung abbrechen und somit in vielen Fällen kein ausreichender Impfschutz vorhanden ist. (Quelle: Hirth JM et al: Completion of the human papillomavirus vaccine series among insured females between 2006 and 2009, Cancer 2012)

    In einer anderen randomisierten doppelblinden Studie mit Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) (n=602, 16-26 Jahre alt) konnte nachgewiesen werden, dass durch die quadrivalente HPV-Vakzination auch das Risiko einer analen HPV Infektion und daraus folgend einer analen intraepithelialen Neoplasie signifikant gesenkt werden konnte (Palefsky JM e tal: HPV Vaccine against anal HPV Infection and Anal Intraepithelial Neoplasia, NEJM 2011, 365, 1576-1585)

    Eine Studie in Costa Rica konnte zeigen, dass die 2-fache Vakzination der bivalenten HPV 16/18 Vakzine (n= 802) der vorher üblichen und empfohlenen 3-fachen Vakzination (n=5967) gleichwertig ist.(Quelle: Kreimer AR: Proof of Principle Evaluation of the Efficacy of Fewer Than Three Doses of a Bivalent HPV 16/18 Vaccine. J Natl Cancer Inst 2011

  • Diagnostik der Humanen Papilloma Viren (HPV) Infektion

    Klinische Symptome

    Typische klinische Symptome für eine HPV-Infektion sind der Nachweis genitaler Warzen (Condylomata accuminata), die beim Mann bevorzugt an der Vorhaut, am Frenulum und am Penisschaft auftreten, aber auch im gesamten Genitalbereich (Hodensack, Schamhaarbereich) und auch, in Abhängigkeit von den Sexualpraktiken, im Analbereich vorkommen können. Bei der Frau sind die bevorzugten Areale der Scheideneingang (Vulva) mit den Schamlippen. Zusätzlich besteht bei Frauen immer der Verdacht auf eine HPV-Infektion bei entsprechenden auffällligen Veränderungen am Gebärmuttermund.

    Trichloressigsäure-Test

    Bei Befall mit HPV-Viren verfärben sich die infizierten Areale  5-10 Min. nach Befeuchtung mit 5 %iger Trichloressigsäure weißlich. Damit kann man relativ schnell beim Mann feststellen, ob HPV-verdächtige Areale am Penis vorhanden sind oder nicht.

    HPV-Typisierung

    Mittels sog.Polymerase-Kettenreaktion (PCR) kann die HPV- DNA im entsprechenden Abstrichmaterial nachgewiesen und durch Sequenzierung bzw. Hybridisierung eine weitere Differenzierung zwischen den verschiedenen HPV-Typen durchgeführt werden. Diese Diagnostik ist relativ teuer und wird nur bei entsprechenden auffälligen Befunden am Gebärmutterhals bei der Frau oder beim Mann bei Verdacht auf Vorstufen zum Peniskrebs bzw. bei Bowenoider Papulose empfohlen. In den USA sind diesbezüglich 4 verschiedene HPV-Typisierungstests zugelassen.

    Der Einsatz der HPV-Typisierung als Routinediagnostikum wird von den medizinischen Fachgesellschaften einstimmig abgelehnt, da dies bei dem hohen Durchseuchungsgrad der Bevölkerung keinen Sinn macht. Routinemäßig verfügbare HPV-spezifische Bluttests gibt es nicht.

  • Therapie von sichtbaren Humanen Papilloma Viren (HPV) Infektionen

    Meistens handelt es sich hier um sichtbare genitale Warzen, die mittels spezifischer lokal anzuwendender Cremes/Flüssigkeiten, welche Podophylotoxin oder Iquimimod enthalten, behandelt werden können. Diese Behandlung eignet sich aber nur für kleinere Areale und ist zudem relativ zeitaufwendig (Behandlungsdauer 3 Tage die Woche mit 4 Tagen Pause, wobei meist 3 Wochen erforderlich werden). Alternativ zur medikamentösen Behandlung wird die Lasertherapie durchgeführt. Bei größeren Arealen muss ggfs. eine Exzision erfolgen.

    hpv

Humane Papillomviren (HPV)

Es gibt über 100 verschiedenen Typen von Humanen Papillomviren (HP), wobei mehr als 40 Typen den Urogenitaltrakt befallen. Die genitalen HPV-Infektionen verlaufen meist symptomlos, werden also von den Betroffenen gar nicht bemerkt. Auch können die genitalen HPV-Infektionen bei oralen Sexualpraktiken auf den Nasen-Rachenraum übertreten.

Mittlerweile ist bekannt, dass einige HPV-Viren auch kanzerogen (Krebs-auslösend) sind und bei Frauen insbesondere das Zervixkarzinom  (Gebärmutterhalskrebs) verursachen und bei Männern auch das Peniskarzinom mitverursachen. Auch die Mundhöhlen-, Zungengrund- und Rachenkarzinome sowie der Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom), Analkarzinome (bei homosexuellen Männern), Vulva- und Vaginalkarzinome bei der Frau werden durch HPV-Viren mitverursacht.

Hochrisikotypen , die Krebs-auslösend sind, sind HPV 16 und 18 , während die Niedrigrisikotypen die HPV-Typen 6 und 11 vor allem Condylomata accuminata (Genitalwarzen) auslösen.

Wie hoch ist das Infektionsrisiko von Humanen Papillomviren (HPV) ?

Bereits vor dem ersten Geschlechtsverkehr können HPV-Infektionen erworben werden, wie Untersuchungen nach Beschneidungen an Jungen im Alter bis zu 11 Jahren und auch Untersuchungen an jungen Mädchen bis zum 19. Lebensjahr zeigten. Die Ansteckungsrate mit HPV-Viren steigt schlagartig mit der sexuellen Aktivität an.

Die Häufigkeit von Condylomata accuminata (genitalen Warzen) beim Mann liegt bei ca. 2 – 3 pro 1000 Personenjahre, wobei am häufigsten HPV6, HPV11 und HPV16 vorliegen. Auch bei einer  Urethritis (Harnröhrenentzündung) ist in bis zur Hälfte der Fälle eine HPV-Infektion nachweisbar.

HPV-Infektionen des Spermas sind bei in vitro-Fertilisation (IVF) oder ICSI bei unerfülltem Kinderwunsch von Bedeutung, da auch das gewaschene Sperma meist noch HPV-Viren trägt und damit das Abort-Risiko erhöhen und damit die Erfolgsraten einer in-vitro-Fertilisation oder ICSI beeinträchtigen kann.

In der Gruppe der HIV-positiven Homosexuellen ist die Infektionsrate mit dem Hochrisikotyp HPV16 etwa 3-mal so hoch verglichen mit den HIV-negativen Männern. Die Inzidenz später an einem Analkarzinom zu erkranken beträgt ca 46 pro 100.000 Männer verglichen zu der Gruppe der HIV-negativen Männer mit ca. 5 pro 100.000 Männer.

Die Prävalenz von HPV-Infektionen wird in der Literatur wie folgt angegeben: Bei Frauen lag die Prävalenz für eine HPV-Infektion der Vagina +/- des Gebärmutterhalses bei ca. 42 % , bei Männern für eine HPV-Infektion von Penis +/- Hodensack bei bis zu 51 %. Die Häufigkeit einer analen HPV-Infektion beträgt für homosexuelle Männer bis zu 57 %, während sie für heterosexuelle Männer und  für Frauen etwa die Hälfte  (25 – 27 %) betrug. Die Prävalenzraten einer oralen HPV Infektion liegt in etwa gleicher Höhe (15 % – 30%).

Die durchschnittliche Dauer einer HPV Infektion wurde in Studien bei bis zu 8 Monaten für alle HPV-Viren ermittelt und lag für das Hochrisiko-HPV 16 etwa doppelt so hoch. Das Infektionsrisiko und die sog. Clearance-Rate hängt wesentlich von der Anzahl der Sexpartner ab.

  • Übertragung bei HPV-diskordanten Paaren

    Praxis-relevant ist die Frage der Übertragungsrate von HPV-Viren bei einer neuen Partnerschaft, wenn ein Partner(in) HPV-positiv und der andere Partner(in) HPV-negativ ist. Studien zeigten für diese sog. diskordanten Paare eine Übertragungsrate von 3 – 4 pro 100 Personenmonate, die für alle HPV-Typen etwa gleich hoch ist.

  • Prävention von HPV-Infektionen

    Die Benutzung von Kondomen ist die beste Prävention, um sich vor sexuell übertragbaren Erkrankungen zu schützen. Dennoch konnten in einer Studie in den USA bei Männern, die regelmäßig Kondome benutzten, in 37,9% einen Befall mit HPV-Viren festgestellt werden. Auch eine Circumcision (Beschneidung) kann das Erkrankungsrisiko für alle sexuell übertragbaren Krankheiten reduzieren.

  • HPV-Impfung

    Seit 2007 stehen Vakzine (Impfung) gegen Humane Papillomviren zur Verfügung :  Cervarix gegen die beiden Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 und Gardasil gegen die  Hochrisiko-Typen HPV 16 und 18 und gegen die Niedrig-Risiko-Typen HPV 6 und 11 sind für Jungen und Mädchen ab einem Alter von 9 Jahren zugelassen und sollten vor dem ersten Geschlechtsverkehr appliziert werden. In Deutschland bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen die HPV-Impfung derzeit nur für Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 17 Jahren.

    Studien aus den USA zeigen mittlerweile, dass nach Einführung der HPV-Impfung sich die HPV 6,11,16 und 18-Prävalenz bei jungen Frauen signifikant halbierte.

    Wichtig bei der HPV-Imfung ist die Compliance d.h., dass die Impfung nicht nach der ersten oder zweiten Impfung abgebrochen wird, sondern vollständig (3 Impfungen) durchgeführt wird.

  • Diagnostik der Humanen Papilloma Viren (HPV) Infektion

    Klinische Symptome

    Beim Mann treten typischerweise bei einer HPV Infektion Condylomata accuminata (genitale Warzen, Feigwarzen )  im Genitalbereich, bevorzugt an der Vorhaut, dem Vorhautbändchen und am Penisschaft auf. Bei der Frau sind vor allem die Vulva (Scheideneingang), die Klitoris(Schamlippen) und der Gebärmuttermund betroffen.

    Trichloressigsäure-Test

    Bei Betupfen der mit HP-Viren infizierten Areale mit 5 %iger Trichloressigsäure verfärben sich diese nach 5-10 min weißlich. Ein Befall der Harnröhre erfordert eine Endoskopie (Spiegelung) der Harnröhre.

    HPV-Typisierung mittels Abstrich-Untersuchung

    Mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) kann die die DNA der HPV-Viren im Abstrichmaterial nachgewiesen werden. Durch eine Sequenzierung und Hybridisierung erfolgt die weitere Typisierung der vorliegenden HPV-Viren. Die Diagnostik ist relativ teuer und sollte nur bei entsprechenden auffälligen Befunden am Gebärmutterhals bei der Frau oder beim Mann bei Verdacht auf eine Präkanzerose (Morbus BOWEN) oder Verdacht auf Peniskrebs durchgeführt werden.

    Problematisch ist der Einsatz der HPV-Typisierung als Routinediagnostikum, da einerseits ein hoher Durchseuchungsgrad in der Bevölkerung vorliegt und andererseits vor allem bei Männern im Abstrichmaterial oftmals zu wenig Zellmaterial entnommen wird.

  • Therapie von sichtbaren Humanen Papilloma Viren (HPV) Infektionen

    Die erkennbaren genitale Warzen (Condylomata acuminata) werden lokal behandelt :

    1. Applikation von Podophylotoxin oder Iquimimodhaltigen Flüssigkeiten oder Cremes vor allem bei kleineren Arealen (Behandlungsdauer mindestens 3 Wochen).
    2. Die lokale Excision vor allem bei größeren Arealen und zur Histologie-Gewinnung.
    3. Die lokale Lasertherapie bei multifokalen Herden.

Ureaplasmen- Mykoplasmen-Infektionen

Durch die Bakterien Mycoplasma hominis bzw. genitalium und Ureaplasma urealyticum können Urethritiden (akute Harnröhrenentzündungen ),  Prostatitiden (Prostataentzündungen) beim Mann ausgelöst werden. Oft werden die Erreger zusammen mit Chlamydien oder auch Gonokokken beim ungeschützten Geschlechtsverkehr oder auch durch Schmierinfektionen übertragen. Bei der Frau treten bei Mykoplasmen- und Ureaplasmeninfektionen oft nur ein leichteres Jucken, Stechen oder Brennen in der Harnröhre oder Scheide auf.

Die Diagnose der akuten Mykoplasmen- /Ureaplasmeninfektion erfolgt wie beim Chlamydiennachweis entweder aus einer Urinprobe und/oder aus einem Abstrich aus der Harnröhre bzw. Scheide. Neben einer Bakterienkultur kann eine PCR (polymerase chain reaction) durchgeführt werden.

Zur Therapie der akuten Mykoplasmen- /Ureaplasmeninfektion werden Antibiotika (Tetrazykline , Makrolide) eingesetzt. Eine Mitbehandlung des Partners (Partnertherapie) ist sinnvoll, um eine erneute Infektion („ping-pong-infection“) zu vermeiden.

Gardnerella vaginalis-Infektionen

Gardnerella vaginalis ist ein gramnegatives anaerobes unbewegliches Stäbchenbakterium, das die Vaginalflora normal besiedelt und nur bei Überwucherung der Scheide zu Beschwerden mit Schmerzen, Brennen, Schwellung und unangenehm riechendem Ausfluss führt (bakterielle Vaginose , Aminkolpitis). Auch andere Bakterien wie Bacteroides, vergrünende Streptokokken, Mykoplasmen und Ureaplasmen können die physiologische Lactobazillus-Scheidenflora überwuchern. Ohne Behandlung kann eine aufsteigende Infektion in die Gebärmutter und in die Eileiter z.B. durch einen Eileiterverschluss zur Unfruchtbarkeit führen.

Beim Mann kann eine Infektion mit Gardnerella vaginalis zu starken, unangenehm riechenden Entzündungen und Schwellungen des Vorhautinnenblattes und der Eichel führen, vor allem wenn eine Phimose (enge Vorhaut) vorliegt.

Durch einen vaginalen Abstrich bei der Frau bzw. einem Abstrich von der Eichel und der Vorhaut beim Mann wird die  Diagnose der Gardnerelleninfektion gestellt.

Die medikamentöse Therapie der Gardnerelleninfektion  erfolgt nach Austestung des Abstriches auf die jeweilige Antibiotikaempfindlichkeit/Resistenz mit einem Antibiotikum (z.B. Metronidazol, Amoxicillin (plus Clavulansäure) oder Clindamycin. Eine lokale Therapie mit Povidon-Jod haltigen Ovula bei der Frau und Povidon-Jod-haltigen Salben beim Mann ergänzen die Behandlung.