Die gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse (benigne Prostatahyperplasie = BPH) nimmt mit zunehmendem Alter an Häufigkeit zu. Die Prostata ist ein normalerweise kastaniengroßes Organ, das am Blasenausgang liegt und unter Steuerung des männlichen Hormons (Testosteron) ein Sekret für die Samenflüssigkeit produziert. Unter Testosteron-Einfluss vergrößert sich ab dem 40.Lebensjahr vor allem der Bereich der Prostata, der direkt die Harnröhre umgibt, so dass es dadurch zu einer Einengung der Harnröhre im Prostatabereich und am Blasenhals kommt.

Die genauen Ursachen für die Prostatawucherung sind nicht vollständig bekannt. Chronische Entzündungen der Prostata und der Einfluß des Dihydrotestosterons, das aus Testosteron mit Hilfe des Enzyms 5-alpha-Reduktase gebildet wird, sind für das Drüsenwachstum der Prostata verantwortlich.

Eine positive Familienanamnese begünstigt möglicherweise die Entwicklung eines Prostataadenoms.

Bei jedem 5. Mann mit einem diagnostizierten Prostataadenom kommt es im weiteren Verlauf zu einem fortschreitenden Wachstum der Prostata . Dabei entscheidet die Wachstumsrichtung, ob der Patient Probleme beim Wasserlassen bekommt: denn nur, wenn das Adenom in Richtung zur Harnröhre oder zum Blasenhals wächst, wird der Harnabfluss behindert. In diesen Fällen ist im späteren Verlauf der Erkrankung in 5% der Fälle eine Operation notwendig.

  • Symptome bei einem Prostataadenom

    Die ersten Anzeichen einer BPH sind die Harnstrahlabschwächung, die verlängerte Harnblasenentleerung sowie ein verzögerter Beginn des Wasserlassens. Nachts verspürt der Patient dann verstärkt einen Harndrang und muß mehrmals nachts die Toilette aufsuchen ( Nykturie). Für viele der Betroffenen kommt es dann zu einer deutlichen Einschränkung der Schlafqualität mit Müdigkeit am Morgen. Auch tagsüber können die Toilettengänge häufiger sein, wobei der Drang zum Urinieren (Urge-Symptomatik ) oft sehr ausgeprägt und lästig sein kann. Häufig tritt bei fortschreitender Erkrankung eine Urge-Inkontinenz (Dranginkontinenz) auf, wobei die betroffenen Männer die Toilette nicht mehr rechtzeitig erreichen und es zu einem unfreiwilligen Urinverlust in die Hose kommt. Im weiteren Krankheitsverlauf kann der Patient die Harnblase nicht mehr vollständig entleeren und es verbleibt nach dem Wasserlassen Urin in der Harnblase (Restharn). Ein akuter Harnverhalt  tritt dann auf, wenn die Austreibungskraft der Harnblase ganz versagt und der Urin bei maximaler Harnblasenfüllung sich nur tropfenweise oder gar nicht entleeren kann. Auslösende Ursachen des akuten Harnverhalts, der extrem schmerzhaft für den Patienten ist,  sind Stress-Situationen (z.B. längere Fahrten in Auto, Bahn, Flugzeug) und starker Alkoholkonsum bei Festen. Hierbei wird der austreibende Blasenmuskel durch den Alkohol gelähmt und durch die vermehrte Flüssigkeitszufuhr überdehnt. Kommt es auf Grund einer chronischen Restharnbildung sehr langsam zu einer Harnverhaltung, ist eine tröpfelnde Blasenentleerung bei voller Blase noch möglich (Überlaufblase).
    Dabei ist auch ein Harnrückstau bis zu den Nieren, der die Nieren unbehandelt schädigen kann, erkennbar.

    Sowohl bei der akuten Harnverhaltung als auch bei der Überlaufblase ist eine sofortige Katheteranlage durch den Urologen notwendig.

    Als begleitende Erkrankungen bei einer Blasenentleerungsstörung mit Restharnbildung infolge eines Prostataadenoms werden chronisch rezidivierende Harnwegsinfektionen mit dysurischen Beschwerden (Schmerzen beim Wasserlassen, Brennen in der Harnröhre) und Sexualprobleme (Erektions- und Ejakulationsstörungen) häufig beobachtet.

  • Diagnostik bei einem Prostataadenom

    Die Beschwerden der Patienten werden von einem erfahrenen Urologen im Gespräch (Anamnese) erfasst , wobei zusätzlich mit Hilfe eines standardisierten validierten Fragebogens der International Prostate Symptome Score ( IPSS-Score) ermittelt wird. Hierdurch kann der Schweregrad der Beschwerden sehr zuverlässig ermittelt und eingeschätzt werden.

     

     Schweregrade des IPSS-Scores

    Leichte Beschwerden: Score 0-7

    Mittlere bis starke Beschwerden: Score 8-19

    Starke bis sehr starke Beschwerden: Score 20-35

    Die körperliche Untersuchung umfasst das Abtasten der Nieren, der Harnblase, der Leistenregion, des Genitale und vor allem die Tastuntersuchung der Prostata über den Enddarm, die Auskunft über die Größe der Prostata gibt und eine Prostatakrebserkrankung erkennen kann.

    Bei den urologischen Laboruntersuchungen wird die Urinanalyse per Streifentest, im Mikroskop und durch Anlegen einer Urinkultur durchgeführt, um Infektionen, Blutungen sowie Eiweiß- und Zuckerausscheidungen zu erkennen.

    Bei den Serum(Blut)-Untersuchungen werden das Blutbild und das CRP (C-reaktives Protein) bei Verdacht auf eine Prostatitis (Infektion der Prostata), die Serum-Retentionswerte zur Signalisierung einer Niereninsuffizienz (Nierenfunktionsstörung) und als sehr wichtige Untersuchung das Prostata spezifische Antigen (PSA) zusätzlich mit dem freien PSA (fPSA), dem nicht an Eiweiß gebundenen PSA bestimmt , woraus sich wertvolle Hineise für einen Prostatakrebs ergeben können.

    Bei der Sonographie (Ultraschalluntersuchung) des Harntrakts werden beide Nieren auf Form, Größe und Kontur überprüft. Hierbei können kleinste Cysten, Tumore ( > 5mm ) und im Nierenbecken-Kelchsystem Harnstauungen und Steine erkannt werden.
    In der Harnblase können bei einer ausreichenden Füllung (200 ml) kleinste Tumore (> 3mm) und Steine zuverlässig erkannt werden. Die Bestimmung der Blasenwanddicke zeigt bei > 2mm einen erhöhten Blasenauslasswiderstand an, so wie er bei zu behandelnden Prostataadenomen auftritt. Sehr wichtig ist eine anschliessende Restharnmessung, bei der das Volumen der Harnblase nach der Miktion (Wasserlassen) überprüft wird.

    Die Prostata wird von sehr erfahrenen Urologen mit einer Ultraschalluntersuchung über den Enddarm (transrektale Ultraschall-Untersuchung der Prostata, TRUS) durchgeführt- Dabei erfolgt eine Größenbestimmung der Prostata, die Beurteilung der Randkonturen und der Samenblasen sowie eine Beurteilung der Echostruktur, die Hinweise auf das Vorliegen von Prostatakrebs liefert.

    In unserer Praxis erfolgt die TRUS mit einem B&K-Gerät der neuesten Generation, das eine Duplex-Untersuchung zum Colourmapping, eine 3-D-Darstellung sowie ein Histoscanning und eine Elastographie der Prostata ermöglicht.

    Dr.Dierkopf hat seit 1980 Erfahrung in der Ultraschall-Diagnostik der Prostata.

    Wichtig ist auch die Uroflowmetrie zur Messung der Harnstrahlstärke bei gut gefüllter Harnblase > 150 ml).

    Als Normalwert für die Harnstrahlstärke gilt ein maximaler Harnfluss von über 15 ml /s .

    Nur in unklaren Fällen sollte eine Urethrocystoskopie (Spiegelung der Harnröhre und Harnblase) notwendig werden, um z.B. auch eine Blasenkrebserkrankung oder eine Blasenhalssklerose (Vernarbung des Blasenhalses ) auszuschliessen. Ein sog. Cystourethrogramm (Röntgen der Harnröhre) sollte vor jeder therapeutischen Massnahme – ob Medikament oder Operation – durchgeführt werden, um Harnröhrenverengungen auszuschließen.

  • Therapie des Prostataadenoms

    Notwendig wird eine Behandlung des Prostataadenoms immer dann, wenn Beschwerden aufgetreten sind (IPSS-Score > 7), um diese zu lindern oder zu beheben.

    Es gibt auch Fälle, bei denen der Patient sich subjektiv beschwerdefrei fühlt, aber der behandelnde Urologe objektiv Befunde bei einem vorliegenden Prostataadenom – wie deutliche oder zunehmende Restharnbildung bei zunehmender Prostatagröße oder eine Harnstauung – erhebt.

    In diesen Fällen muss auch bei fehlenden Beschwerden therapiert werden, um Komplikationen wie Infektionen oder auch ein späteres Nierenversagen zu vermeiden.

    Am Anfang einer Therapie steht zunächst fast immer eine medikamentöse Therapie:

    Für die Behandlung der Prostatabeschwerden (BPH-Therapie) stehen 2 sehr effizient wirkende Medikamentengruppen zur Verfügung:

    Die sog. uro-selektiven alpha-Blocker (Tamsolusin, Alfuzosin, Silodosin ) wirken auf die muskuläre Spannung des Blasenhalses, während die sog. 5-alpha-Reduktasehemmer (Finasterid, Dutasterid) vor allem das weitere Prostatawachstum verhindern.

    Beide Medikamententypen können auch miteinander kombiniert werden.

    An Hand der vorliegenden urologischen Untersuchungen kann für jeden Patienten mit einem Prostataadenom das für ihn passende Medikament in der richtigen Dosierung herausgefunden und rezeptiert werden.

  • Medikamentöse Therapie des Prostataadenoms

    Phytotherapie (Pflanzliche Arzneimittel)

    Pflanzliche Arzneimittel enthalten Kürbissamen, Roggenpollen, Brennesselextrakte, Sägepalme oder ß-Sitosterin . Diese Arzneimittel sind quasi nebenwirkungsfrei, aber ein eindeutiger Wirksamkeitsnachweis konnte in wissenschaftlichen Studien bislang nicht vollständig erbracht werden . Daher übernehmen die  gesetzlichen Krankenkassen seit Jahren die Kostenübernahme für diese Phytopharmaka nicht mehr. In Einzelfällen führen diese Medikamente zu einer vorübergehenden Linderung der Beschwerden, sie können aber ein Fortschreiten des Prostataadenoms mit der entsprechenden Symptomatik auf Dauer nicht aufhalten.

    Uro-selektive alpha-1-Rezeptorenblocker (Alphablocker)

    Mit Hilfe der uro-selektiven alpha-Blocker werden die alpha-1-Rezeptoren am Blasenhals, die bis in die prostatische Harnröhre vorhanden sind blockiert, so dass der erhöhte Muskeltonus am Blasenhals und in der prostatischen Harnröhre und damit der Blasenauslasswiderstand gesenkt wird.

    Das Wasserlassen  verbessert sich und die Prostatabeschwerden lassen nach. Auf Grund der kurzen Halbwertszeit der Alphablocker wirken sie schnell (innerhalb von 24-48h) und ebenso schnell klingt die Medikamentenwirkung nach dem Absetzen der Medikamente wieder ab.

    Als Folge der medikamentösen Öffnung des Blasenhalses beobachten die meisten Patienten einen verminderten oder fehlenden Samenerguß (retrograde Ejakulation). Auch kann in Einzelfällen ein Blutruckabfall mit Schwindel und Kopfschmerzen nach der Tabletteneinahme beobachtet werden. Oftmals hilft in diesen Fällen die morgendliche Einnahme des Alphablockers nach Kaffee- oder Teegenuss.

    Die Alphablocker beeinflussen die Prostatagröße nicht und verhindern daher nicht eine Progression des Prostataadenoms (weiteres Wachstum der Prostata ).

    Die alpha-1-Rezeptorenblocker können langfristig (lebenslang) wirksam und sicher eingenommen werden. Nur bei einem Ausbleiben der Wirksamkeit und bei einer Progression des Prostataadenoms sollten sie abgesetzt und in diesen Fällen über alternative operative Therapien nachgedacht werden.

    5-alpha-Reduktasehemmer (5-ARI)

    Mit den 5-alpha-Reduktasehemmern wird das Enzym 5-alpha-Reduktase gehemmt, das Testosteron in das das Prostatawachstum fördernde Dihydrotestosteron, umwandelt.

    Die 5-ARI beeinflussen die Prostatagröße und können eine weitere Progression des Prostataadenoms (weiteres Wachstum der Prostata) verhindern.

    Durch die Einnahme der 5-ARI kann daher das Risiko für spätere akute Harnverhalte oder Prostataoperationen gesenkt werden.

    Die durch die 5-ARI induzierte Verkleinerung der Prostata setzt langsam nach ca. 3 Monaten ein , so dass auch erst dann eine Verbesserung der Prostatabeschwerden beobachtet wird.

    Daher wird bei stärkeren subjektiven Prostatabeschwerden und bei größeren Prostataadenomen oftmals mit einer Kombinationstherapie aus Alphablockern und 5-ARI begonnen.

    Die 5-ARI sollten erst bei einem Prostatavolumen von > 30ccm (Dutasterid) bzw. 40 ccm (Finasterid) begonnen werden.

    Unter den 5 alpha-Reduktasehemmern kommt es infolge der Prostataverkleinerung auch zu einem Absinken des Serum-PSA-Spiegels um bis zu 50 %. Daher müssen vor Beginn der 5-ARI-Therapie im Labor der Serum-PSA-und fPSA-Spiegel sowie transrektal-sonographisch die Prostatagröße bestimmt und nach 3 Monaten anschliessend halbjährlich kontrolliert werden. Somit kann bei einem späteren Ansteigen des Serum-PSA-Wertes  unter der Therapie rechtzeitig ein Prostatakrebs entdeckt werden.

    Wesentliche den Mann störende Nebenwirkungen der 5-ARI sind der Libidoverlust (Störung der sexuellen Lust), Ejakulationsstörungen mit vermindertem Spermavolumen, erektile Dysfunktion (Erektionsstörungen) und Infertilität (Fruchtbarkeitsstörungen).

    Anticholinergika (Antimuskarinika):

    Mit den Anticholinergika werden die Muskarin-Rezeptoren in der Harnblasenwand gehemmt und damit der Detrusormuskel der Harnblase beruhigt. Daher kommen Anticholinergika bei einer Reizblasen-Symptomatik (overactive bladder-Syndrom (OAB-Syndrom))
    in Frage, wenn der Blasenmuskel verdickt ist und ständig aktiviert ist und eine erhebliche Harndrangsymptomatik mit häufigem Wasserlassen – auch nachts – besteht.

    Hierbei kann auch eine Kombinationstherapie von Alphablockern oder 5-ARI (tagsüber) und einem Anticholinergikum (nachts)  in Einzelfällen eingesetzt werden.

    Phosphodiesterase-Inhibitoren (PDE-5-Inhibitoren)

    PDE5-Inhibitoren werden bei der Erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung) eingesetzt und entfalten eine Tonusvermiderung der Blasenhalsmuskulatur ähnlich wie die Alphablocker. Auf Grund der wissenschaftlichen Studien ist daher in Deutschland der langwirksame Wirkstoff Tadalafil in einer Dosierung von täglich 5mg zur Behandlung des symptomatischen Prostataadenoms zugelassen worden.

  • Operative Therapie des Prostataadenoms

    Nur bei einem Versagen der medikamentösen Therapie, also wenn die Beschwerden bestehen bleiben oder sich mit zunehmender Restharnbildung verschlechtern, kann eine Operation nötig werden.

    Ausserdem können bei einer Progression des Prostataadenoms  begleitende Komplikationen (z.B. rezidivierende Makrohaematurien (Urinblutungen), Harnwegsinfektionen, Bildung von Blasensteinen, Niereninsuffizienz, akuter Harnverhalt) auftreten, so dass dann ein operativer Eingriff zwingend erforderlich wird.

    Als operatives Standardverfahren hat sich die Ausschabung der Prostata durch einen Eingriff durch die Harnröhre (TURP) etabliert (Goldstandard) . Hierbei wird endoskopisch das um die Harnröhre gewachsene Prostataadenomgewebe ausgeschabt, so dass nur die äußeren Anteile der Prostata (Restprostata) verbleiben.

    Dieser Eingriff wird von Dr.Dierkopf routinemäßig mit viel Erfahrung in der Urologischen Abteilung des Klinikums Starnberg seit 1994 durchgeführt.

    Nur bei sehr großen Vorsteherdrüsen und bestimmten Befundkonstellationen werden alternative OP-Verfahren eingesetzt, wozu Dr.Dierkopf mit der Urologischen Klinik im Klinikum Großhadern zusammenarbeitet.
    Als OP-Alternativen  kommen die Prostataadenomenukleation (offen, laparoskopisch/roboterassistiert, per Holmium-Laser), die Vaporisierung der Prostata („Greenlight-Laser“, Dioden-Laser), die Thermoablation der Prostata (Nadelablation, Mikrowellenablation) sowie das neue Urolift-Verfahren in Frage.

    http://www.operation.de/prostatavergroesserung-greenlight-laser/

    Wichtige Hinweise zur Operation des Prostatadenoms

    Für eine Prostata-Operation muss der Patient einen ungefähr 5 bis 7 Tage langen stationären Aufenthalt und eine ca. 14-tägige
    Nachbeobachtungszeit zu Hause einplanen .

    Als sehr häufige Nebenwirkung – quasi als notwendige Folge -tritt die retrograde Ejakulation (rückwärtiger Samenerguß in die Harnblase) auf, die aber nur von wenigen Männern als störend empfunden wird und absolut nicht schädlich ist.

    Auch nach einer Operation einer gutartigen Prostatavergrößerung sind Früh-
    erkennungsuntersuchungen auf Prostatakrebs (Vorsorgeuntersuchungen) beim Urologen weiterhin jährlich notwendig, da nicht alles Prostatagewebe entfernt
    wird und sich von der Restprostata aus Prostatakrebs entfalten kann.